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Rettungszeichen nach ASR A1.3 (2013) - ISO 7010

Inhalt:

Rettungswegkennzeichnung - Rettungszeichen "Notausgang" und Richtungsangabe richtig kombinieren

Notausgänge führen im Falle eines Brandes oder einer anderen Gefährdung schnell ins Freie - wenn man den richtigen Weg dorthin findet. Damit Jeder, egal ob ihm ein Gebäude bekannt ist, oder er sich das erste Mal dort befindet, den Fluchtweg nach draußen findet, müssen die Rettungswege zum Notausgang mit Flucht- und Rettungswegzeichen gekennzeichnet sein. Um die Fluchtrichtung zum Notausgang verständlich anzugeben, muss das Rettungszeichen "Notausgang" mit einer Richtungsangabe kombiniert werden. Die zu verwendenden Symbole sind in der DIN EN ISO 7010 und in der ASR A1.3 (2013) definiert:

Fluchtwegschilder Rettungsweg links
Rettungszeichen "Notausgang / Rettungsweg links"
Fluchtwegschilder Rettungsweg rechts
Rettungszeichen "Notausgang / Rettungsweg rechts"
Fluchtwegschilder Rettungsweg Notausgang gerade
Rettungszeichen mit Richtungsangabe für Erste-Hilfe-Einrichtungen, Rettungswege, Notausgänge
Fluchtwegschilder Rettungsweg Notausgang schräg
Rettungszeichen mit Richtungsangabe für Erste-Hilfe-Einrichtungen, Rettungswege, Notausgänge schräg

In der ASR A1.3 gibt es aber keine Regelung über die richtige Kombination von Rettungswegzeichen, Rettungszeichen und Richtungspfeil, um die Fluchtrichtung eindeutig festzulegen. Diese Lücke wurde mit der DIN SPEC 4844-4:2014-04 geschlossen. Diese Norm verweist auch auf die internationalen Festlegungen zur Kombination von Rettungszeichen und Richtungsangabe in der ISO 16069:2004. Da es in Deutschland bisher keine verbindliche Regelung gab, welche Richtungsangabe der Pfeile zu verwenden ist, findet man bisher meist den nach unten zeigenden Pfeil, wenn "geradeaus gehen" vermittelt werden soll. Diese Praxis widerspricht allerdings der internationalen Praxis und den Festlegungen in der ISO 16069:2004.

Bei der Richtungsangabe ist noch zu unterscheiden, ob nur eine Laufrichtung oder gleichzeitig ein Etagenwechsel angezeigt werden soll. Die Aussage der zur Rettungswegkennzeichnung kombinierten Symbole "Notausgang" und Richtungspfeil muss dabei immer vom Punkt des Betrachters aus zutreffen.

So kennzeichnen Sie richtig:

Kombination der Symbole "Notausgang rechts" oder "Notausgang links" mit einem Richtungspfeil Bedeutung der Sicherheitsaussage für die Laufrichtung* Bedeutung der Sicherheitsaussage für einen Etagenwechsel*
Fluchtwegschilder Notausgang abwärts gehen   Rettungszeichen Notausgang abwärts gehen
Fluchtwegschilder Notausgang nach rechts gehen Rettungszeichen Notausgang nach rechts gehen  
Fluchtwegschilder Notausgang nach links gehen Rettungszeichen Notausgang nach links gehen  
Fluchtwegschilder Notausgang aufwärts gehen Geradeaus gehen
Geradeaus und durch eine Tür gehen, wenn das Rettungszeichen über einer Tür angebracht ist.
Aufwärts gehen
Fluchtwegschilder Notausgang nach links aufwärts gehen Freie Fläche nach schräg links überqueren Aufwärts gehen nach links
Fluchtwegschilder Notausgang nach rechts aufwärts gehen Freie Fläche nach schräg rechts überqueren Aufwärts gehen nach rechts
Fluchtwegschilder Notausgang nach links abwärts gehen   Abwärts gehen nach links
Fluchtwegschilder Notausgang nach rechts abwärts gehen   Abwärts gehen nach rechts

* vom Punkt des Betrachters aus

Weitere wichtige Kriterien für die Auswahl von Fluchtwegschildern und Rettungszeichen sind die die notwendige Erkennungsweite und die Verpflichtung langnachleuchtende Rettungsschilder und Fluchtwegzeichen einzusetzen, wenn im Gebäude keine von der allgemeinen Stromversorgung unabhängige Sicherheitsbeleuchtung vorhanden ist.

Langnachleuchtende Sicherheitsleitsysteme

In jedem öffentlichen, aber auch in größeren Gebäuden in Unternehmen und auch in größeren Wohngebäuden sind zwei voneinander unabhängige Flucht- und Rettungswege vorgeschrieben. In den Arbeitsstättenregeln und im Baurecht der Länder sind die baulichen Voraussetzungen für Fluchtwege geregelt. Eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren von Fluchtwegen ist aber ihre Kennzeichnung.  
Die Fluchtwegkennzeichnung muss in jeder Situation erkennbar sein. Grundsätzlich gibt es verschiedene Notfallsituationen, die bei der Kennzeichnung von Fluchtwegen zu berücksichtigen sind:

  • Beleuchtung und Sicht sind nicht beeinträchtigt, z.B. Terrorwarnung
  • Die Beleuchtung fällt aus, z.B. Stromausfall
  • Beleuchtung ist vorhanden, Sicht wird durch Rauch beeinträchtigt, z.B. Brand
  • Beleuchtung fällt aus, Sicht wird durch Rauch beeinträchtigt, z.B. Brand mit Ausfall der Stromversorgung

Die häufigste Ursache für die Benutzung von Fluchtwegen sind Brände. Trotz moderner Bauvorschriften ist die Sicherung der Rauchfreiheit von Fluchtwegen nur selten gesichert. Darüber hinaus sind zum Beispiel Treppenhäuser und lange Flure auch am Tage nur mit Kunstlicht erhellt, da sie im Innern eines Gebäudes liegen. Damit ergibt sich die Notwendigkeit, dass eine Fluchtwegkennzeichnung auch bei Verrauchung und Dunkelheit erkennbar sein muss. Zusätzlich müssen Personen auch bei längeren Fluchtwegen ein Gebäude zügig verlassen können.

Die Wichtigkeit der richtigen Gestaltung und Kennzeichnung von Fluchtwegen steigt:

  • je mehr Personen im Gebäude sind,
  • je größer das Gebäudes ist,
  • je später ein Brand entdeckt wird,
  • je höher die Anzahl der Personen mit eingeschränkter Mobilität ist,
  • je länger der Anfahrtsweg der Feuerwehr ist.

Für die Kennzeichnung der Fluchtwege können neben der Installation von Sicherheits- und Rettungswegleuchten auch langnachleuchtende Fluchtwegschilder und Leitmarkierungen verwendet werden.
Um auch bei Verrauchung das Ziel eines gut erkennbaren Fluchtweges zu erreichen wurde in der ASR A3.4/3 und in  der DIN 67510-3 der Einsatz bodennaher optischer Sicherheitsleitsysteme geregelt.
Insgesamt regeln drei Arbeitsstättenregeln die verschiedenen Elemente einer Fluchtwegkennzeichnung und -gestaltung:

  • ASR A 1.3 »Sicherheits-und Gesundheitsschutzkennzeichnung«
  • ASR A 2.3 »Fluchtwege und Notausgänge, Flucht- und Rettungsplan«
  • ASR A 3.4/3 »Sicherheitsbeleuchtung, optische Sicherheitsleitsysteme

Im Folgenden sind die wesentlichsten Bestimmungen aus diesen Arbeitsstättenregeln zitiert:

ASR 2.3 § 7 (2)

Erforderlichenfalls ist ein Sicherheitsleitsystem einzurichten, wenn aufgrund der örtlichen oder betrieblichen Bedingungen eine erhöhte Gefährdung vorliegt. Eine erhöhte Gefährdung kann z.B. in großen zusammenhängenden oder mehrgeschossigen Gebäudekomplexen, bei einem hohen Anteil ortsunkundiger Personen oder einem hohen Anteil an Personen mit eingeschränkter Mobilität vorliegen. Dabei kann ein Sicherheitsleitsystem notwendig sein, das auf eine Gefährdung reagiert und die günstigste Fluchtrichtung anzeigt.

ASR 3.4/3 § 5.2

(1) Langnachleuchtende Sicherheitsleitsysteme sind so zu bemessen und einzurichten, dass die Leuchtdichte der nachleuchtenden Materialien, gemessen am Einsatzort, nach 10 min nicht weniger als 80 mcd/m2 (Millicandela/m2) und nach 60 min nicht weniger als 12 mcd/m2 beträgt.
(2) Die Leitmarkierungen von langnachleuchtenden Sicherheitsleitsystemen müssen eine Mindestbreite von 5 cm haben. Die Mindestbreite der Leitmarkierungen in Form von Streifen von langnachleuchtenden Sicherheitsleitsystemen kann bis auf 2,5 cm verringert werden, wenn die Leuchtdichte nach 10 min nicht weniger als 100 mcd/m2 und nach 60 min nicht weniger als 15 mcd/m2 beträgt.
(3) Fluchttüren in Fluchtwegen und Notausgängen sind mit langnachleuchtenden Materialien zu umranden. Der Türgriff ist langnachleuchtend zu gestalten oder der Bereich des Türgriffes ist flächig langnachleuchtend zu hinterlegen. Treppen, Treppenwangen, Handläufe und Rampen im Verlauf von Fluchtwegen sind so zu kennzeichnen, dass der Beginn, der Verlauf und das Ende eindeutig erkennbar sind. Die oben genannten Werte gelten entsprechend. Das gilt auch für Notbetätigungseinrichtungen.

Vorteile langnachleuchtender Sicherheitsleitsysteme

  • Stromunabhängig, damit ausfallsicher und sabotagesicher
  • Hohe Wirtschaftlichkeit, da keine laufenden Folgekosten durch Energieverbrauch
  • Auch in älteren Gebäuden leicht nachzurüsten, da keine Elektroinstallationen notwendig,
  • wartungsarm, verschleißarm
  • es ist eine durchgängige Markierung möglich
  • dadurch selbst bei Verrauchung gute Erkennbarkeit durch kurzen Sehabstand
  • fast überall einsetzbar.

Wie funktionieren langnachleuchtende Sicherheitsschilder?

Aufladephase: Langnachleuchtende Schilder und Leitelemente speichern das auf ihre Oberfläche auftreffende Licht der Allgemeinbeleuchtung.
langnachleuchtende Fluchtwegkennzeichnung wird durch Lampe aufgeladen

Entladephase: Diese gespeicherte Energie  sie bei Dunkelheit als gelbgrünliches Licht wieder ab.
langnachleuchtende Fluchtwegkennzeichnung scheint im Dunkeln

Hierbei handelt es sich um einen physikalischen Effekt, der beliebig oft wiederholt werden kann.

Welche Lichtquellen sind für die Anregung von langnachleuchtenden Schildern geeignet?

Damit die Pigmente mit einer ausreichenden Lichtmenge angeregt werden, müssen einige Bedingungen eingehalten werden:
Zur Anregung wird hauptsächlich der blauviolette Bereich des Lichtspektrums einer Leuchte genutzt. Sehr gut geeignet sind Leuchtstofflampen, Tageslicht, Halogenlampen, usw.
Natriumdampfniederdrucklampen mit ihrem gelben Licht sind ungeeignet.

Welche Beleuchtungsstärke wird zur Anregung benötigt?

Die Höhe der Beleuchtungsstärke, die durch die Raumbeleuchtung erreicht wird, bestimmt die Höhe der abgestrahlten Leuchtdichte wesentlich mit.
In der ASR A3.4, Anhang 1 „Beleuchtungsanforderungen für Arbeitsräume, Arbeitsplätze und Tätigkeiten“ werden als Mindestbeleuchtungsstärke in Verkehrsflächen und Fluren ohne Fahrzeugverkehr 50 lx gefordert. Diese sind in der Regel Bestandteil der Fluchtwege. Werden die in der o.g. ASR geforderten Beleuchtungswerte eingehalten, ist die Allgemeinbeleuchtung zur sicheren Anregung meistens ausreichend, wenn die langnachleuchtenden Produkte einer entsprechend hohen leuchtklasse genügen. Empfehlenswert ist in der Regel die Einhaltung der Leuchtklasse C.

Wie groß ist die Anregungsdauer?

Um die Pigmente der Schilder ausreichen aufzuladen, ist eine gewisse Zeit notwendig. Diese Zeit ist neben der Beleuchtungsstärke und dem Lichtspektrum auch von weiteren Rahmenbedingungen, wie zum Beispiel der Temperatur abhängig.

Was versteht man unter Abklingdauer?

Die Abklingdauer ist diejenige Zeit nach Beendigung der Anregung, bei der die Leuchtdichte auf 0,3 mcd/m2 (etwa den 100-fachen Wert der Sehgrenze) abgesunken ist.

Vorgabe der ASR A 3.4/3

Langnachleuchtende Sicherheitsleitsysteme sind so zu bemessen und einzurichten, dass die Leuchtdichte der nachleuchtenden Materialien, gemessen am Einsatzort, nach 10 min nicht weniger als 80 mcd/m2 (Millicandela/m2) und nach 60 min nicht weniger als 12 mcd/m2 beträgt.

Zum Einsatz von Rettungszeichen- und Brandschutzschildern ist in der ASR 1.3 keine direkte Forderung bezüglich der Leuchtdichte von langnachleuchtenden Produkten enthalten. Für die Leuchtdichte dieser Schilder gibt es jedoch eine indirekte Vorgabe in der Tabelle 1. Die Sicherheitsfarben müssen lt. Dieser Tabelle den Spezifikationen der ISO 3864-4, Ausgabe März 2011 entsprechen. In dieser Norm wird in der Tabelle B1 eine Leuchtdichte gefordert, die einem Produkt der Klasse C nach DIN 67510 Teil 4 entspricht, d.h. mindestens 140 mcd/m2 nach 10 Minuten und 20  mcd/m2 nach 60 Minuten.

Welche weiteren Vorteile haben langnachleuchtende Sicherheitskennzeichnungen?

Langnachleuchtende Produkte heben sich bei Ausfall der Beleuchtung durch den hohen Hell-Dunkel-Kontrast sehr gut von der Umgebung ab. Da sich das menschliche Auge sehr gut an unterschiedliche Helligkeiten anpassen kann, werden auch geringe Leuchtdichten noch sehr gut erkannt. Zum Teil ist die Erkennbarkeit der Sicherheitsaussage dann noch besser, als bei  der Reflexion der Umgebung bei einer Allgemeinen Sicherheitsbeleuchtung (1 lux)
Bei Verrauchung kommt es darauf an, dass die Fluchtrichtung und eventuelle Hindernisse, wie Stufen, Richtungswechsel und Türen auf einen kurzen Abstand erkannt werden können. Elektrische Rettungszeichenleuchten haben den Nachteil, dass sie meistens eine geringe Baugröße haben und oft auch sehr hoch angebracht sind. Bodennahe Sicherheitsleitsysteme führen die Flüchtenden aufgrund ihrer Durchgängigkeit und des geringen Sehabstandes oft schneller und sicherer hinaus.
Außerdem steigt Rauch oft nach oben, so dass die Sichtbarkeit von bodennahen Kennzeichnungen besser ist.
Besonders dann, wenn sich Personen in einem Gebäude befinden, in dem sie sich nicht genau auskennen, besteht beim Eintritt eines Notfalles oder Brandes, gepaart mit dem Ausfall der Beleuchtung die Gefahr eines Ausbruches von Panik. Hier ist es für die Flüchtenden wichtig, dass sie ohne Irritationen sicher ins Freie geleitet werden. Ist in der Dunkelheit nur das langnachleuchtende Sicherheitsleitsystem mit seiner eindeutigen Fluchtrichtungsvorgabe zu sehen, so müssen sich die betreffenden personen nur darau konzentrieren. Dies erhöht die Fluchtgeschwindigkeit und trägt zur Erhöhung des Sicherheitsgefühls und der Panikvermeidung bei.